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Engel & Erzengel

Götterboten, Mittler zwischen der überirdischen und irdischen Welt, Lichtwesen, Lichtträger – oder Archetypisches Urbild, Symbol, Metapher, Halluzination? Was sind Engel?

Zu nahezu jeder dieser Definitionen von Engeln finden sich zahllose historische und aktuelle, mehr oder weniger schlüssige Beschreibungen. Zu allen Zeiten haben sich Seher, Weise, Gelehrte und Künstler bemüht das Wesen der Engel zu erfassen, sie zu kategorisieren, ihre Aufgaben, ihr Aussehen und vor allem ihre Hierarchien zu beschreiben und festzulegen. So verwundert es nicht, dass es mit dem Wandel der Zeiten die unterschiedlichsten Auffassungen zum „Himmlischen Hofstaat“ gab und gibt. Welcher man folgen möchte, bleibt eine Glaubensfrage.

Geistige Wesen, die zwischen dem Göttlichen und der irdischen Welt vermitteln, findet man in fast allen Religionen. Als Engel im eigentlichen Sinn (altgriechisch angelos) kennt man sie jedoch in den monotheistischen Anschauungen des Judentums, Christentums und des Islams.

Im Alten Testament ist sowohl von dem einen Engel Gottes als auch von einer Vielzahl von Engeln die Rede, organisiert in einer himmlischen Ordnung, der die irdische gleicht. Die Engel sind hier unfassbar große Wesen, aus Feuer, ungreifbar, ohne Gestalt – ebenso wie Gott, von dem man „sich kein geschnitztes Bild machen sollte“. Cherubim, Seraphim, Erzengel - bereits zur Zeit Abrahams wurden den Engeln Ränge zugeteilt, die sie eindeutig als vom Schöpfergott geschaffene, untergeordnete Mittler definierten.

Mit der Menschwerdung Gottes in seinem Sohn, Jesus Christus, wurde auch den Engeln langsam ein menschliches, wenngleich geschlechtsloses Antlitz verliehen. Der Kirchenvater Augustinus (345-430 n.Chr.) allerdings, sah im Begriff Engel die Bezeichnung einer Aufgabe, eines Amtes, nicht die eines Wesens. Und vom Kirchenvater Cyrill von Jerusalem (313-386 n.Chr.) stammen die Worte: Als Christus auf die Erde zu den Menschen kommen wollte, erwählte der Vatergott eine gewaltige Kraft, die Michael hieß, und vertraute Christus ihrer Fürsorge an.

Im Alten Testament finden sich durchweg die Erzengel Michael (Wer ist wie Gott), Rafael (Gott heilt), Gabriel (Meine Stärke ist Gott), im Buch Henoch des Neuen Testaments wird auch noch Uriel (Licht Gottes, Gottes Sonne) genannt. Über die genaue Anzahl der Erzengel besteht keine Einigkeit, sie schwankt zwischen 4-7. Man vermutet, dass sich diese Zahl an den Thronseiten bzw. an den 7 damals bekannten Planeten orientierte.

Künstlerisch wurden Engel im frühen Christentum als Jünglinge dargestellt, um sie von den geflügelten Gottheiten der Antike zu unterscheiden, später erhielten sie Flügel, da man sich einzig das Fliegen als Fortbewegungsmittel von der Erde in den Himmel vorstellen konnte. Erst im Mittelalter, der Hauptzeit der christlichen Auseinandersetzung mit der Engelslehre (Angelologie), entwickelte sich die Vorstellung eines persönlichen Schutzengels mit prächtigen Schwingen, mit der Renaissance und dem Barockzeitalter entstanden neben majestätischen Darstellungen auch die kindlich, dicklichen Puttenengel.

So verfügen wir heute über ein umfangreiches und vielfältiges Repertoire an Vorstellungs- und Darstellungsmöglichkeiten für Engel jeder Facon und Couleur und erleben quasi eine Renaissance des „Engelbooms“ des Mittelalters.

Engelsgesicht, „Du bist ein Engel“ - Assoziationen mit dem Begriff Engel sind durchweg positiv und kulturen- sowie generationsübergreifend. Allgegenwärtig sind die Raffael-Engel in allem Formen und Farben, Schutzengel-Talismane für jeden Geschmack haben Hochkonjunktur. Wir leben in einer Zeit, in der die Illusion von Sicherheit langsam verlorengeht und in Gesellschaften, die sich noch nicht auf ein gemeinsames Gottesbild einigen können. Gerade im Zusammenhang mit den Theorien zur Evolution unserer Welt, dem Stadium in dem wir uns augenblicklich auf der Erde als Menschheit befinden, ziehen wir die Engel als Boten Gottes zu Rate. In dieser Umbruchsphase scheinen Engel menschennäher und unverfänglicher und der Glaube an sie ist vielleicht der kleinste gemeinsame Nenner, auf den man sich besinnt.

Die Engel haben in den letzten Jahren – auch durch die spirituelle Öffnung - eine dramatische Renaissance erlebt und sind momentan so beliebt wie schon seit Jahrhunderten nicht mehr.