Der Esoblog

Texte zu esoterischen Themen

Archiv: Juli 2010

Ungenaue Esoterik

Bei meinem Artikel über die Aura habe ich es wieder mal gemerkt: Die Esoterik ist ein ungenaues Geschäft. Das ist zwar im Grundde ganz OK, weil ja “spirituelle Dinge” ohnehin nie ganz scharf zu fokussieren sind. Wenn man aber in Deutschland lebt, und man dann mitkriegt, wie genau hier alles abläuft, und auch die Esos hier immer alles sehr genau wissen, dann ist man eben daran interessiert mit der Genauigkeit der anderen mithalten zu können. ;)

Tatsache ist aber, dass die Esoteriker einander alle fürchterlich wiedersprechen. Bei der Aurafarbe, das habe ich inzwischen herausgefunden, macht das Wiedersprechen übrigens sogar Sinn: Die Farbe der Aura ändert sich mit dem Gemütszustand und ist ohnehin für alle Aurasichtigen unterschiedlich, weil auch der energetische Zustand des Sehers das Ergebnis bestimmt. Fazit (auf gut Österreichisch): Is eh wurscht ;) (Übersetzung: “Ist ohnehin egal” für die verehrten deutschen Leser ;) )

Aber bei anderen Themen ist der wiederspruch nochh gravierender. ein Beispiel gefällig? Gerne. Nehmen wir die simple Frage, warum es heute so viele Menschen auf der Welt gibt. Wie passt denn das mit der Wiedergeburt zusammen?
Die Antworten können wohl unterschiedlicher nicht sein: Während manche meinen, dass die meisten der “neuen” Menschen eben früher Tiere waren und jetzt aufgestiegen wären, sagen andere, dass sich die Seelen wohl geteilt hätten. (Und ich dachte Seelen wären zeitlos unzerstörbar und unvergänglich.) Und dritte meinen gar, dass die zusätzlich Inkarnierten von anderen Sternen kommen würden.

Was tun, wenn die Meinungen so sehr auseinanderdriften? Mir als Zaungast der Esoterik kann es ja glücklicherweise egal sein. ;) Ich betreibe nur eine kleine Webseite, wundere mich manchmal, staune viel und habe ansonsten keine Lehrmeinung, die ich verteidigen muss. Glücklicherweise. Ich kann mir also erlauben ganz entspannt über die Besserwisser zu lächeln. ;)

Sheldrake & Fox: Engel - die kosmische Intelligenz

WoW! Im Allgemeinen bin ich ja ein wenig zurückhaltend und bleibe - sollte ich mal um meine Meinung gefragt werden - eher sachlich. Diesmal ist das aber nicht ganz so, denn das Buch “Engel - die kosmische Intelligenz” von Rupert Sheldrake und Matthew Fox ist wirklich eine Ausnahmeerscheinung innerhalb der esoterischen Literatur. Also ist mein zu Beginn geäußertes “WoW” auch wirklich gerechtfertigt! Es folgt daher nun die kurze Zusammenfassung dieses äußerst interessanten Titels, so wie ich es vor meinem Kurzurlaub ja bereits versprochen hatte…

Zunächst mal zu den Autoren:
Der Engländer Rupert Sheldrake (*1942) ist Autor mehrerer Bücher und Biologe. Er beschäftigt sich mit grundsätzlichen Fragen der Schöpfung, des Geistes und der Evolution. Seine hervorragendste Leistung ist die Entdeckung der “Morphogenetischen Felder” (Auch morphisches Feld oder morphogenetisches Feld genannt). Der Amerikaner Matthew Fox (*1940) ist Theologe, Priester und spiritueller Lehrer.

Der Inhalt:

Die beiden Autoren kommentieren in diesem Buch einzelne - Engel betreffende - Passagen aus den Werken von Thomas von Aquin, Hildegard von Bingen und Dionysos Areopagita. Während die ersten beiden Namen durchaus bekannt sein dürften, ist Dionysos Areopagita wohl eher nur Kennern der Kirchengeschichte ein Begriff. Als bedeutender Philosoph und Theologe des 6. Jhts. wird er oft mit dem von Paulus bekehrten Dionysos Areopagita verwechselt.

Aber zurück zu den kommentaren von Sheldrake und Fox: Denn dies ist im Grunde auch schon alles: Kommentare zu ausgewählten Texten der Kirchengeschichte. Doch an Stelle von gelehrten Bemerkungen und anspruchsvollen Belehrungen erklären Sheldrake und Fox die Gedanken dieser drei bedeutenden Persönlichkeiten in einfachen, verständlichen Worten und bringen sie zu unserem heutigen Wissen in Beziehung.

Das Ergebnis ist eine wunderbare, angenehm zu lesende Rundreise durch die Kirchengeschichte in der viele gängige Vorurteile über die Starre der katholischen Lehre doch in einem anderen Licht erscheinen. Zusätzlich werden überlieferte Anschauungen und heutige Meinungen aus Theologie und Naturwissenschaft auf interessante Art und Weise zueinander in Beziehung gesetzt. Und aufgrund der intelligenten und weitblickenden Kommentare der beiden Autoren Sheldrake und Fox geraten die verschiedenen Sichtweisen nicht miteinander in Konflikt, sondern beflügeln einander: Die - in allen Kulturen der Welt bekannten - geflügelten Himmelsboten entpuppen sich in der Interpretation von Sheldrake plötzlich als etwas, das unsere westlich-wissenschaftliche Sichtweise als “intelligentes Feld” bezeichnet und plötzlich erscheinen vermeindlich antiquierte Begriffe wie “Engel” sehr modern.