Der Esoblog

Texte zu esoterischen Themen

Kategorie: Christentum

Zweipunktmethode - Quantenheilung - Quantum Entrainment

Jetzt ist es bereits deutlich über ein Jahr her, seitdem die so genannte Zweipunktmethode die deutsche Esoszene auf den Kopf gestellt hat. “Quantenheilung stellt alles bisherige in den Schatten”, “Quantum Entrainment” ist die Methode der Neuen Zeit”. Das waren die Aussagen, die vor einem Jahr kursierten. Esoteriker aller Couleur übten sich plötzlich in theoretischer Physik, stellten erstaunlichste Spekulationen über Paralleluniversen* an und meinten auch sonst, dass bald kein Stein mehr am anderen stehen würde. Inzwischen ist es etwas ruhiger geworden um die Methode und diese Ruhe lädt dazu ein sich ein wenig Gedanken über ein interessantes Thema zu machen.

Für mich waren die ersten Begegnungen mit der als Zweipunktmethode, Quantenheilung oder Quantum Entrainment (QE) bezeichneten Methode alles andere als erfreulich. Angeblich würde diese Methode alle Krankheiten sofort heilen und könne von jedem in einem Wochenendseminar erlernt werden. Und das beste daran: Nebenwirkungen unbekannt! Hausfrauen würden also im Eilzugstempo zu Magiern ausgebildet werden und mehrjährige Lehrgänge könne man quasi über Nacht absolvieren. Und außerdem würde durch das beharrliche Praktizieren unser aller Ego verdampfen wie ein Eisblock an einem Augusttag. Und das verschwundene Ego** ist ja das Killerargument schlechthin für alle Esoteriker.

Schlimm? Ja, sehr schlimm. Im meinen abwegigsten Alpträumen sah ich bereits meinen Schuster Krebsoperationen durchführen und Visionen von notleidenden Heilpraktikern, die vor dem lokalen Arbeitamt bittere Tränen auf ihre Diplome vergossen. Aber was solls. Der neue Geist verlangt eben auch seine Opfer!

Heute - nach über einem Jahr Praxis mit der neuen Methode - sehe ich, dass auch die “Zweipunktler” nur mit Wasser kochen. Glücklicherweise… Denn es gibt nach wie vor Krankheiten, es gibt Menschen, die ihr Leben dem Thema “Heilen” widmen und nach jahrelangem Lernen und Beobachten nicht nur Heilen können, sondern durch das Lernen und Beobachten sich selbst transformiert haben und es gibt nach wie vor Aufgaben zu bewältigen.

Allerdings - und das muss ich doch zugeben - steht uns mit der Quantenheilung ein interessantes und mächtiges Werkzeug zur Verfügung, mit dem sehr rasch und wirkungsvoll Heilungsprozesse eingeleitet werden können. Ich konnte - trotz meiner anfänglichen Skepsis - tatsächlich ungewöhnliche Genesungen bei vielen Menschen beobachten, habe aber auch erlebt, dass selbst erfahrene Anwender einzelne Probleme nicht in den Griff bekamen.

Alles kann also nicht geheilt werden und trotz Quantenheilung erwarten uns immer noch neue Herausforderungen. Glücklicherweise!

* Ich verfüge über ein relativ solides Wissen im Bereich der Physik und Spekulationen ober es nun 5, 10 oder doch eher 100 Paralleluniversen geben könne, tun mir einfach im Innersten weh. Denn Quantenphysik ist spannend und spätestens seit F. Capra ist auch die Physik esoterisch geworden. Aber wer groß quakt, sollte auch wissen über was er quakt.

**Manche Borniertheit ist einfach unheilbar. So wollte in den Tagen der Ölkathastrophe am Golf von Mexiko ein Bekannter partout nicht bei einer QE-Übung für die Erde mitmachen, weil “ohnehin alles gut sei was passiere.” Und weiterhin meinte er noch, dass - auch wenn sich pro Sekunde noch so viel Öl in den Golf ergösse, jede nur denkbare Entwicklung in Ordnung wäre. Ich wurde dann ein wenig unhöflich, denn solche Idiotien können wohl nur gesättigen, gelangweilten, Deutschen einfallen.

Judas

Endlich bin ich nach einer wirklich sehr, sehr langen Sommerpause wieder zurück und habe einige interessante Themen über die ich im Blog in den nächsten Wochen noch berichten werde, mitgebracht. Doch zunächst mal möchte ich über ein Buch sprechen, das ich im Sommer bei einem Freund gelesen habe und das in weiterer Folge sehr interessante Diskussionen ausgelöst hat. Es handelt sich um “Judas Ischariot - Verräter oder Vertrauter?” von Monika Hauf.

Die Sachbuchautorin geht in diesem Buch ausführlich auf das 2006 entdeckte “Evangelium nach Judas” ein und erklärt Inhalt sowie Bedeutung dieses gostischen Textes detaillert und umfassend. Im Untertitel des Buches heißt es: “Die Hintergründe zum neu entdeckten Judasevangelium”. Und in der Tat. Monika Hauff bringt auf den 254 Seiten wirklich eine geballte Ladung von Informationen. Eindrucksvoll schildert sie die Geschichte der Urchristen, das Entstehen der kanonischen (also in die Bibel aufgenommenen) und apokryphen (nicht in die Bibel aufgenommenen) Evangelien sowie die Flügelkämpfe denen das junge Christentum ausgesetzt war. Sie setzt die gnostischen Schriften in Beziehung zu den großen Mystikern des Christentums und vergleicht deren Anschauungen mit wiederum mit tiefenpsychologischen Theorien. Ein wirklicher Streifzug durch die europäische Geistesgeschichte.

Bezüglich des Evangeliums nach Judas vertritt sie eine Meinung, die der Anschauung der Gnostiker wohl sehr verwandt sein dürfte: Sie regt an, in der Person von Judas nicht das Böse schlechthin zu sehen. Ihrer Meinung nach war Judas vielleicht sogar der begabteste aller Schüler Jesu. Ihm konnte er seinen Heilsplan anvertrauen und ihn konnte er mit der gewaltigen und schwerwiegenden Aufgabe betrauen, den “Verrat” , der keiner war, zu begehen. Denn wie hätte das Opfer Jesu ohne Judas jemals stattfinden können? “Böses”, das zum Guten wird und ein Judas, der kein Verräter ist, sondern eigentlich den göttlichen Heilsplan in Kraft setzt. Ein wahrhaft gnostischer Gedanke.

Verständlich, dass das Buch bei konventionellen Kritikern weniger Anklang fand. ;)