Der Esoblog

Texte zu esoterischen Themen

Tag: Frühchristentum

Judas

Endlich bin ich nach einer wirklich sehr, sehr langen Sommerpause wieder zurück und habe einige interessante Themen über die ich im Blog in den nächsten Wochen noch berichten werde, mitgebracht. Doch zunächst mal möchte ich über ein Buch sprechen, das ich im Sommer bei einem Freund gelesen habe und das in weiterer Folge sehr interessante Diskussionen ausgelöst hat. Es handelt sich um “Judas Ischariot - Verräter oder Vertrauter?” von Monika Hauf.

Die Sachbuchautorin geht in diesem Buch ausführlich auf das 2006 entdeckte “Evangelium nach Judas” ein und erklärt Inhalt sowie Bedeutung dieses gostischen Textes detaillert und umfassend. Im Untertitel des Buches heißt es: “Die Hintergründe zum neu entdeckten Judasevangelium”. Und in der Tat. Monika Hauff bringt auf den 254 Seiten wirklich eine geballte Ladung von Informationen. Eindrucksvoll schildert sie die Geschichte der Urchristen, das Entstehen der kanonischen (also in die Bibel aufgenommenen) und apokryphen (nicht in die Bibel aufgenommenen) Evangelien sowie die Flügelkämpfe denen das junge Christentum ausgesetzt war. Sie setzt die gnostischen Schriften in Beziehung zu den großen Mystikern des Christentums und vergleicht deren Anschauungen mit wiederum mit tiefenpsychologischen Theorien. Ein wirklicher Streifzug durch die europäische Geistesgeschichte.

Bezüglich des Evangeliums nach Judas vertritt sie eine Meinung, die der Anschauung der Gnostiker wohl sehr verwandt sein dürfte: Sie regt an, in der Person von Judas nicht das Böse schlechthin zu sehen. Ihrer Meinung nach war Judas vielleicht sogar der begabteste aller Schüler Jesu. Ihm konnte er seinen Heilsplan anvertrauen und ihn konnte er mit der gewaltigen und schwerwiegenden Aufgabe betrauen, den “Verrat” , der keiner war, zu begehen. Denn wie hätte das Opfer Jesu ohne Judas jemals stattfinden können? “Böses”, das zum Guten wird und ein Judas, der kein Verräter ist, sondern eigentlich den göttlichen Heilsplan in Kraft setzt. Ein wahrhaft gnostischer Gedanke.

Verständlich, dass das Buch bei konventionellen Kritikern weniger Anklang fand. ;)